Unterwegs am Bernhardiweg im Waldviertel (NÖ)
Ganz neu und frisch – der Bernhardiweg im Waldviertel führt auf einer ca. 125km langen Wanderweg ausgehend vom Stift Zwettl durch die Gemeinden Zwettl, Schweiggers, Weitra, Großschönau und Groß Gerungs. „Gönne dich dir selbst!“ so lautet der von Bernhard von Clairvaux überlieferte Leitgedanke des Weges.
Gewandert bin ich ja schon viel, auch weit gewandert und gepilgert hin und wieder… Der Bernhardiweg hat mich gelockt, nicht in einer Gruppe oder zu zweit, sondern mich auch wieder einmal alleine auf den Weg zu machen. Diesen Weg wollte ich mir selbst gönnen, weil auch meine Welt rundum gut gefüllt mit Verpflichtungen und To-dos ist!
Die vielfältige Landschaft des Waldviertels mit Feldern, Hecken, Bächen, Wiesen und seinen mystischen Wäldern und versteckten Felsformationen, dazwischen die kleinen Dörfer mit Marterl, Kirchen & Kapellen, Schlösser und das Stift hat mich beeindruckt. Aber ich machte einen großen Fehler:Zu wenig Zeit! Für den Bernhardiweg gibt es Vorschläge mit 4, 5 oder 6-tägiger Wanderzeit. Ich habe es in der Variante mit vier Tagen versucht und kann nur sagen – Das war eindeutig zu wenig Zeit!
Los geht’s!
Ich begann mit der längsten Etappe (35 km) von Groß Gerungs zum Stift Zwettl. Entlang der anfangs noch recht schmalen Zwettl (Fluss), im lichten Wald und durch Wiesen und Erpfi-Felder, Erdäpfel werden im Waldviertel als Erpfi bezeichnet, schmolzen die Kilometer nur so unter meinen Füßen dahin und bald war die erste Pilgerstempelstelle in der Nähe der Pfarrkirche in Etzen erreicht.
11 Stempel können in einem Stempelpass entlang des Pilgerweges gesammelt werden. Eigentlich nicht so „meine Sache“, habe ich’s trotzdem gemacht und am letzten Tag, voller Freude, den letzten Stempel eingedrückt! Weil mich auch immer alles rund herum interessiert, wär ich gerne ins Freimaurermuseum im Schloss Rosenau auch hinein, aber nein, bei dieser Strecke geht sich das nicht aus – also weiter…
Meine Wanderjause aus dem Rucksack genieße ich an diesem Tag kurz nach Mittag umringt von himmelhohen Bäumen auf einem Baumstumpf sitzend mit Blick auf die Zwettl irgendwo im Wald entlang der Strecke. Ich genieße die Ruhe, das Grün, meine Jause und die Stille… nein eigentlich genieße ich das Stimmengewirr: Wi-ze, wi-ze, wi-ze ruft eine Tannenmeise über mir aus den Wipfeln und vom Waldrand erklingt ein mir vertrautes Zi-zi-zi-zi-ziiiiii-züüüh der Goldammer. „Ach wie schön ist dieses Vogelkonzert, das mich heute schon seit den frühen Morgenstunden begleitet!“
Ich mache mich wieder auf wandere weiter durch Wald, Wiese und Feld. Warm ist es an diesem Tag und die Sonne sticht auch im kühleren Waldviertel erbarmungslos vom Himmel. Gerade im Umkreis von Dörfern gehe ich auf Asphalt und biege in Syrafeld nur schweren Herzens die längere, aber wie sich schnell heraus stellt absolut lohnende, längere Wegführung entlang der Kamp (Fluss) nach Zwettl ein. Hollunderduft liegt in der Luft und neben dem wunderschönen Vogelzwitschern bewundere ich immer wieder auch die Blumenvielfalt am Wegesrand!
Sind Kornblumen und Kamille in Oberösterreich vieler Orts rar geworden so stahlt an diesem Tag das Blau des Himmels mit dem Kornblumenblau in den Roggenfeldern um die Wette!
Durch den angenehmen Auwald entlang der Kamp erreiche ich nach 30 Kilometern endlich den Stadtrand von Zwettl, an dem unweit der hübschen Bründlkirche das Sonnenbad Kamptal, ein Badeplatz am Kampfluss, liegt. Hier gibt’s für mich kein Halten! Im Rucksack lag für alle Fälle der Bikini und ein Handtuch bereit und so genieße ich nach diesem langen Weg die belebende Frische der Kamp! Frei nach Goethe sag ich hier: „Ach, Augenblick verweile doch! Du bist so schön!“ Aber die Zeit ist fortgeschritten und das Stift noch nicht erreicht und so spaziere ich kurz später, mit einem wohl verdienten Eis in der Hand, durch Zwettl, vorbei an den 1994 errichteten Hundertwasserbrunnen am Hauptplatz.
Jetzt wird es richtig zäh! Das Stift ist etwa 4 Kilometer außerhalb und diese Kilometer brennen richtig in den Füßen, ich halte 2x auf dem Nebenstraßerl den Daumen raus, als ein Auto an mir vorbei fährt – nix – kein Erbarmen… das die letzten Kilometer so anstrengend sein können… unglaublich. Im Stift komme ich zu einer Messe zurecht, höre kurz zu, staune ob der schönen Kirche und flitze zum Treffpunkt, wo schon mein Taxi von meiner Unterunft wartet.
Etappe 2
Mein zweiter Pilgertag führt mich vom Stift Zwettl, über Oberstrahlbach, Salligstadt und Schweiggers nach Jagenbach. Bin ich am ersten Tag noch hin und wieder Spaziergängern oder anderen Wanderern begegnet, so begegnet mir an diesem Tag kaum jemand, ob das wohl am Wetter liegt? Es regnet!
Mit Wind, Sonne, Wolken, Nieseln und auch einmal einem Regenschauer nehme ich mir die anstehenden Kilometer der eigentlichen erste Etappe, und für mich zweiten Etappe vor. Bevor es los geht, werfe ich noch einmal einen Blick in den wunderschönen Stiftshof und erlebe ein Schauspiel, dass mir am Vortag entgangen war: Hunderte Schwalben ziehen unter schwätzendem Gezwitscher ihre Kreise im Innenhof, und so entdecke ich erst heute, durch das schlechte Wetter und ihren Flug in niedriger Höhe, die unzähligen Nester entlang der Dachvorsprünge im gesamten Innenhof.
Beeindruckt und beflügelt pilgere ich nun hinaus in die frisch gewaschene Landschaft. Es hat in der Nacht geregnet und Weinbergschnecken queren überall die Straßen und Wege.
Die Natur begeistert mich auch heute – die Farben sind heute anders, aber die Klänge sind auch heute so fröhlich wie am Vortag: „Wie lieblicher Klang! O Lerche! dein Sang. Er hebt sich, er schwingt sich in Wonne“ so drängen sich mir die Liedzeilen von Felix Mendelssohn Bartholdys Lerchengesang in den Sinn, denn zwischen Getreide und Mohnfeldern singen über mir immer wieder unermüdlich die Feldlerchen.
Eine längere Pause gönne ich mir bei der am Waldrand gelegenen Bernhard Oase: „Du wirst mehr in den Wäldern finden als in den Büchern. Die Bäume und die Steine werde dich Dinge lehren, die dir kein Mensch sagen wird“ steht dort als Bernhardi-Zitat vermerkt, dem ich heute gut nachspüren kann. Vorbei an der Friedenspyramide erreiche ich Sallingstadt und danach durch den Wald, wo mich ein Feldhase übersehen und mir bis auf 2 Meter nahe gehoppelt ist, den Ort Schweiggers.
Jetzt ist auch das Wiesenlabyrinth und die nahe Thayaquelle mit ihren Rastmöglichkeiten nicht mehr weit!
Schlussendlich freue ich mich schon, als die Pfarrkirche Jagenbach und das Ende der heutigen Wanderung sichtbar wird, denn etwas zähe Asphalt-Abschnitte wechselten sich an diesem Tag mit angenehmen Wald, Wiesen und Schotterwegen, inmitten wunderschöner Landschaft ab.
Tag 3
Wenn ich behaupten würde, ich spüre meine Beine und Füße nach den ersten beiden Tagen nicht, ich würde lügen. Gut, dass meine Schuhe perfekt eingegangen sind und auch mein Rucksack mit Tagesgepäck und dem heute wichtigen Regenschutz nicht drückt.
Von Jagenbach geht’s über die Stempelstellen: Siebenlinden, Großwolfgers, Weitra und St. Wolfgang nach Spital bei Weitra. Abwechslungsreich ist auch diese Etappe und führt immer wieder über angenehme Wald & Wiesen-Abschnitte.
Auf diesem Abschnitt wartet der Jahrtausend-Lebensturm (Sonntags geöffnet) und absolut sehenswert!!!! Weil der Überblick einfach grandios ist!
Vor Weitra bei bei einer kleinen Rast in Ulrichs am Ulrichsteich sehe ich einen großen Greifvogel kreisen, der sich unaufhörlich in meine Richtung schraubt ich fotografiere ihn mit meiner guten Kamera und sehe – weißer Kopf – ein Seeadler! WOW!!!
Beglückt geht’s weiter und immer Weitra bis ich vor gleichnamigen Schloss stehe – na und wer hat wieder einmal keine Zeit zum Besuchen?? – also lasse ich es links liegen und gelange bald durch traumhaft-schöne Linden- und Eichen-Alleen zur Freizeitanlage am Hausschachenteich.
Durch den Wald nach St. Wolfgang, nicht im Salzkammergut, sondern im Waldviertel komme ich zur Kirche. Sie ist um das Jahr 1400 entstanden, als Wallfahrtsstation am Weg nach St. Wolfgang im Salzkammergut, wohin im 15 & 16 Jahrhundert die Pilger zur Hochblüte der Wolfgangwallfahrten aus allen Richtungen zu Tausenden strömten. Ich ströme ebenfalls in die Kirche hinein, denn auch der Himmel hatte wieder einmal für eine Weile seine Pforten geöffnet.
Als ich wieder heraus trete, scheint die Sonne und durch ein weiteres Wegstück durch den Wald erreiche ich Spital und das heutige Ende meiner Etappe trockenen Fußes!
Dieses Foto hat mir Elfi Huber im Nachgang vom Turm geschickt, ich hatte doch glatt vergessen ihn zu fotografieren…
Auf ein Letztes.
Auch mein letzter Pilgertag wartet mir mit besonderen Naturerlebnissen auf: Neben rotem Fingerhut im Wald und rosa und blauen Lupinien darf ich mich über seltene und geschützte Feuerlilien am Wegesrand freuen! Der erste Steinpilz, der von der essbaren Sorte, nicht die aus Granit, die mir auch regelmäßig unterkommen, ist wohl durch den Regen über Nacht aus dem Boden geschossen und in den Ästen der Bäume lässt sich einmal sogar ein scheuer Pirol und ein Schwarzspecht erspähen.
Am Weg von Spital geht’s nun stetig bergauf zum Johannesberg. Die Aussicht versteckt sich leider und so setze ich rasch meinen Weg nach Großschönau fort. Unweit des Ortes im Sternzeichenpark und im Ort erwarten mich kunstvolle Holzskulpturen. Cool, was Bildhauer hier für Kunstwerke zu ganz verschiedenen Themen geschaffen haben!
Zwischen schmalen Feld- und Wiesenstreifen pilgere ich weiter nach Großotten und genehmige mir im örtlichen Gasthaus eine ausgiebige Einkehr.
Bei der Preindlmühle schließlich biege ich von Nebenstraßen in einen idyllischen Wegabschnitt entlang der Zwettl ab. Am Wasser entlang, im mystisch-verwachsenem Wald begleitet von moosbewachsenen Steinblöcken habe ich das Gefühl in einer Märchenwelt gelandet zu sein und reime mir selbst Sagen und Geschichten zu dieser Landschaft zusammen.
In Wurmbrand bei der Pfarrkirche hole ich mir dann meinen letzten Stempel und habe somit alle zum Weg gehörenden Pfarrkirchen einen Besuch abgestattet. Schon schön den Pass voll zu bekommen 🙂
Noch ist meine Runde durch das Waldviertel aber nicht zu Ende und so folge ich den Bernhardi-Markierungen noch weiter über Böhmsdorf und dem kleinen Örtchen Haid mit liebevoll gestalteter Pilgerrast hin zur Friedenskapelle. Ein besonderer Ort des Friedens, an dem so richtig spürbar wird, wie wichtig es den Leuten vor über 80 Jahren und auch heute noch ist, ein Zeichen für den Frieden in der Welt zu setzen.
Spät ist es geworden, ein Reh blickt mir vom Waldrand nach als ich in „Germs“, wie Groß Gerungs von den Einheimischen genannt wird ankomme.
Zur Feier des Tages gönne ich mir einen Waldviertler Mohnzelten und habe in den letzten Tagen eines gelernt: Wenn ich mir Zeit für mich gönne, dann will ich zukünftig ein bisschen großzügiger mit mir sein!
Wo hab ich geschlafen und gegessen:
Sehr empfehlenswert ist das B&B Beim Einfalt (www.beim-einfalt.at) in Kinzenschlag unweit von Groß Gerungs, mit Bio-Frühstück, schönen Zimmern und Sauna-Angeboten auch einen überaus praktischen Shuttledienst an. Es gibt Jausen-Pakete für unterwegs und Abendessen wird ab 4 Personen frisch gekocht.
Gasthof Hofbauer in Jagenbach (www.gasthof-hofbauer.eu) – dort war die Rindsroulade und der flaumige Waldviertlerknödel ein Gedicht!
Cafe-Konditorei und Restaurant Weingartner in Groß Gerungs (www.weingartner.cc) – besonders die Waldviertler Mohnzelten haben es mir dort im Cafe angetan!
Gasthof Thaler in Großotten (www.gasthof-thaler.at) – das knusprige & große Schnitzel war genau richtig um Kraft für’s weiterwandern zu verleihen.
Das Stadtcafe Juwel in Zwettl am Hauptplatz (www.cafe-juwel.at) bietet Mehlspeisen & Snacks und hat mich mit Softeis-Kreationen-to-go verführt!
Baden und was anschauen
In Zwettl beim Sonnenbad am Kamp, war ich selbst baden, ebenso möglich gewesen wär’s in Weitra beim Hausschachenteich und beim Freibad in Groß Gerungs. Auch in Salligenstadt wäre die Freizeitanlage Pfarrerteich nur 1km abseits vom Weg. Ansonsten sind die Ufer von Kamp, Zwettl und Thaya leider oftmals sehr verwachsen und schlecht begehbar.
Neben unzählige Wegkreuzen & Marterl, vielen liebevoll gepflegten Kapellen und 11 (Pfarr-) Kirchen gelangt man bei der Wanderung auch beim Jahrtausend-Lebensturm vorbei. Er wurde im Jahr 2000 eröffnet und bietet neben einem fantastischem Ausblick über die gesamte Region auch eine Ausstellung zum mystischen Waldviertel und weiteren interessanten Themen. Der Turm ist 30 Meter hoch und bis zur Aussichtsplattform müssen 140 Stufen überwunden werden. Achtung, er ist nur Sonntags ab 14:00 Uhr geöffnet und kann nach Anmeldung auch ab einer Gruppengröße von 10 Personen, erklommen werden.
Nicht näher angesehen habe ich leider das Schloss Weitra (täglich im Sommer ab 10:00 geöffnet), das wunderschöne Stift Zwettl und das Schloß Rosenau.
Bernhardiweg – Informationen online:
Ausgangspunkt und Endpunkt Stift Zwettl, Einstieg entlang der Route überall möglich
Länge: Gesamt ca. 125km
Aufstieg & Abstieg gesamt jeweils ca. 1846 Hm
Dauer: 31:50 h
Niedrigster Punkt 502m
Höchster Punkt 839m
Empfohlene Dauer: 6 Tagesetappen zwischen rund16 und 24 Kilometer
Infos zum Weg, der Idee dahinter, Etappen-Vorschläge mit den 11 Kirchen & Stempelstellen sowie zu den 10 Pilgerstationen, findet man unter www.bernhardiweg.at
Der Weg ist bereits durchgehend beschildert, alle Stationen aber noch nicht fertig gestellt. Immer wieder werden in nächster Zeit Pilgerstationen feierlich eröffnet, Termine dazu sind unter https://www.waldviertel.at/bernhardiweg/eroeffnung-wegestationen einsehbar.
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